Buchvorstellung – Karl Heinz Brisch – Bindung und psychische Störungen

Lesedauer ca. 2 Minuten

Am Anfang stand die Beziehung

Der Mensch bringt von sich aus das biologische und psychische Grundbedürfnis nach Bindung mit auf die Welt. In Beziehungen kann die Bedürfnisbefriedigung stattfinden. Doch nicht nur zu Lebensbeginn ist Bindung sehr relevant. Auch bis ins hohe Alter bleibt dieses Bedürfnis erhalten. Wenn auch in erwachseneren Formen. In der Wissenschaft gilt die Bindung inzwischen als gesicherter Faktor, der mit weiteren Konzepten, wie z.B. der mentalen Gesundheit, in Verbindung steht.  Das Buch von Karl Heinz Brisch beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Bindung und psychischen Störungen. Das Buch ist zusammengesetzt aus verschiedenen Vorträgen, Artikeln und Vorlesungen.

Bindung ist Vieles

Das Buch von Karl Heinz Brisch spiegelt in sich vor allem eins wieder: Nämlich die Vielseitigkeit der Bindung. So werden Leser:innen dazu eingeladen, sich mit der Bindung in verschiedenen Kontexten auseinanderzusetzen. Früher galt die psychotherapeutische Auseinandersetzung mit dem Thema Bindung vorrangig der psychodynamischen Praxis. Diese Annahme ist inzwischen veraltet. In dem Buch finden sich Kapitel, die sich beispielsweise auf die Verhaltenstherapie und die systemische Therapie beziehen. Doch nicht nur das. Das Buch setzt sich auch außerhalb der Therapieräume mit der Bindung auseinander. Beispielsweise auf institutioneller oder auch politischer Ebene. Ein Kapitel lautet beispielsweise “Politik auf dem Wickeltisch”.

Aufbau des Buches

Leser:innen wird auffallen, dass das Buch eine “Zusammensetzung” ist. Einerseits merkt man es am Schreibstil, da verschiedene Autor:innen mitgewirkt haben. Andererseits am Inhalt, da die Kapitel für sich genommen abgeschlossen sind. Dies hat Vor – und Nachteile. Einerseits nimmt es einem selber den Druck alles aufeinander aufbauend verstehen zu müssen. Andererseits besteht die Gefahr in der Thematik der Bindung den “roten Faden” zu verlieren. Alles in allem: Der Autor arbeitet sauber mit wissenschaftlichen Quellenangaben.  Dementsprechend äußert sich auch der Ausdruck des Buches weitestgehend wissenschaftlich fundiert. Was mir persönlich sehr gefällt. Karl Heinz Brisch gilt als renommierter Autor bezüglich der Bindungsthematik. Er bietet über seine Werke hinaus Trainings zum Bindungsthema an. Auch hierzu findet sich ein entsprechendes Kapitel im Buch. Das Schöne an dem Buch ist, dass es (therapieschulen-)schulenübergreifend gestaltet ist. Ich habe mich beim Lesen sehr eingeladen gefühlt in andere Blickwinkel und Themenbereiche reinzuschauen.

Für wen eignet sich das Buch?

In erster Linie werden sich Fachkolleg:innen in diesen Büchern zu Hause fühlen. Gerade solche, die in ihrer Behandlung und Beratung viel Wert auf die Biografie eines Menschen und die therapeutische Beziehung legen. Darüber hinaus können sicherlich auch Interessierte das ein oder andere Kapitel für sich entdecken. Dabei – so finde ich – ist es kein Muss das ganze Buch “durchzuarbeiten”. Es kann auch sehr angenehm sein, sich bestimmte Themen “rauszupicken”. 

Daten zum Buch

  • Titel: Bindung und psychische Störungen: Ursachen, Behandlung und Prävention
  • Autor: Karl Heinz Brisch
  • Herausgeber: Klett-Cotta; 1. Aufl. 2021 Edition (18. September 2021)
  • Sprache: Deutsch
  • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
  • ISBN-10: 3608984356
  • ISBN-13: 978-3608984354

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