Wenn die Achtsamkeit stresst – Ein psychologischer Blick auf moderne Selbstoptimierung

Lesedauer ca. 17 Minuten

Der folgende Beitrag basiert auf einer persönlichen Sichtweise. Ich erhebe keinen Anspruch darauf, dass die Zusammenhänge absolut so sind wie ich sie beschreibe. Als Person, die im Gesundheitssystem arbeitet und mitwirkt, ist es mir jedoch wichtig eine saubere Aufklärung zu betreiben und Denkanstöße zu liefern.

Der Beitrag eignet sich vor allem für Menschen, die sich auf einer Meta-Perspektive mit ihrer Haltung zur eigenen Gesundheitspraxis beschäftigen möchten. Ich werde einen kurzen Überblick über die derzeitigen Mechanismen unseres Zeitgeistes geben und weshalb viele Menschen – trotz löblicher Mental-Health-Praxis – womöglich weiterhin gestresst sind.

Doch eins nach dem anderen. Erstmal müssen wir die Ursprünge verstehen. Der Rest folgt dann ganz von alleine.

Der Wunsch nach guten Zeiten

Als Menschen wollen wir uns selbst erhalten. Das ist fest in uns verankert. Man könnte auch sagen, dass es ein biologisch determiniertes Grundbedürfnis ist. Wir möchten mehr von dem Guten und weniger von dem Schlechten erleben. Gerade weil unser Gehirn sich eher negative Ereignisse einprägt, wollen wir uns von diesen Ereignissen so weit wie möglich fern halten. Psychologisch gesehen könnte man sagen, dass der Mensch in seiner Grundkonstitution schmerzaversiv ist und bei kurzfristiger Gelegenheit negative Ereignisse vermeidet und abwehrt.

Prinzipiell ist die Idee nicht schlecht, da der Lustgewinn eher mit der Selbsterhaltung zusammenhängt als mit Schmerzerleben. Und auch unsere Vorfahren konnten durch das Umgehen und Vermeiden von kurzfristigen negativen Erfahrungen das eigene Überleben sichern. Besser man meidet den Säbelzahntiger, statt jedes Mal gegen ihn zu kämpfen und dabei Leib und Leben zu riskieren. Dies wäre zu gefährlich und würde die Existenz bedrohen. Wir, als Nachkommen, können uns als Ergebnis dieses  jahrhundertealten Prozesses begreifen. Also ist es nur allzu nachvollziehbar, dass unsere Psyche die Anstrengungen unserer Vorfahren auch so weiter übernommen hat. Eine Art übertragener Überlebensmodus. Und dazu sei gesagt, dass inzwischen jede Person ihre eigene Philosophie dazu hat, wie sie mit Selbsterhaltung und Schmerzen (psychisch wie physisch) umgeht. Also kein Schema F an dieser Stelle.

„Good Vibes“ haben viele Gesichter

Möglichkeiten in Zustände des Wohlbefindens, der Lust und der Selbsterhaltung zu kommen, gibt es viele. Wahrscheinlich so viele wie es Menschen gibt. Beispielsweise achten wir auf unseren Schlaf. Wir schauen genau hin was wir essen. Darüber hinaus versuchen wir genügend Sport in unseren Alltag einzubauen. Wir machen so vieles. Wir lachen, organisieren Feste, schreiben uns Nachrichten, gehen zusammen auf Wanderung, haben Sex und gründen Familien. Wir treffen uns mit anderen Menschen, um uns verbunden und weniger einsam zu fühlen. Ab einem gewissen Alter gehen wir zur Krebsvorsorge. Die Liste würde sich unendlich fortsetzen. Und wenn es uns dauerhaft seelisch schlecht geht, bemühen wir uns z.B. um einen psychotherapeutischen Platz.

Neben dem klassischen Weg der Psychotherapie werden inzwischen vermehrt Medien genutzt, um etwas für das eigene Wohlbefinden und den Selbsterhalt zu tun. Gerade dann wenn es nicht gleich mit der Therapie klappt, oder man sich auf eigene Faust helfen möchte. Natürlich kann man sich auch ohne Leidensdruck mit der mentalen Gesundheit beschäftigen. Viele Menschen, aus verschiedenen Berufsgruppen, geben Tag für Tag wirklich tollen Content von sich. In Form von Büchern, Podcastepisoden, Videos und Blogposts. Viele Beiträge sind dabei hochgradig informativ und wissenschaftlich gut fundiert. Es steht inzwischen ein breiter Fundus an Informationen zur Verfügung, der den Menschen dazu befähigt sich in eigener Regie um sich selbst zu kümmern. Einige therapeutische Konzepte haben damit den Weg aus den „Vier-Augen-Gesprächen in den therapeutischen Praxen“ herausgefunden und begeistern viele Menschen außerhalb der Therapie. In diesem Beitrag möchte ich gerade darauf meinen weiteren Schwerpunkt legen.

Zwischenfazit:

Der Mensch strebt die Selbsterhaltung und den Lustgewinn an. Das ist biologisch determiniert. Wenn es ihm nicht gut geht, sucht er sich unter anderem auch professionelle Hilfe. Eine weitere Möglichkeit ist es aber auch dies autodidaktisch über (soziale) Medien zu tun.

Vor- und Nachteile von psychologischer Aufklärung im Informationszeitalter

Einige der therapeutischen Begriffe sind nun im öffentlichen Raum angekommen. Es fallen in den sozialen Medien Begriffe wie „Achtsamkeit“, „Selbstfürsorge“, „Entstigmatisierung“, „Narzissmus“, „toxische Beziehungen“ und „Trigger“, um nur einige davon zu nennen. An vielen Stellen begrüße ich diese Entwicklung. Aufklärung in der Allgemeinbevölkerung ist in vielerlei Hinsicht ein willkommenes Angebot. In der Medizin und Psychotherapie ist die Aufklärung sogar Pflicht für Behandler:innen. Das gilt vor allem für all die Situationen, in denen es um Veränderung und Behandlung geht.

Die Vorteile

In den vergangenen Jahren war es bislang so, dass der Themenkomplex rund um die mentale Gesundheit eher stiefmütterlich und mit Hemmnissen im öffentlichen Raum behandelt wurde. Er war konfundiert mit Scham und Stigmatisierung. Jedoch erleben wir in den letzten Jahren einen Paradigmenwechsel, in dem mehr darüber gesprochen werden darf, ohne dabei ein kollektives Scham-Gefühl zu erleben. Aus professioneller Sicht wird durch die öffentliche Aufklärung ein therapeutisches Basiswissen an die breite Gesellschaft vermittelt, die wiederum die Akzeptanz hinsichtlich psychischer Leiden erhöhen kann. Dadurch kann nachhaltig ein anderer Umgang im Miteinander und in der Behandlung etabliert werden.

In den Medien werden Fragen wie „Was ist der Unterschied zwischen Psychiater:innen und Psycholog:innen?“, „Wie nehme ich zu ihnen Kontakt auf?“ „Was ist eine Depression, und woran merke ich sie?“ beantwortet. Zum anderen werden auch Übungen und Tipps zur Verfügung gestellt, bei denen Menschen unterstützt werden z.B. achtsamer mit sich und mit anderen umzugehen. Oder wie sie ihren Alltag strukturieren und eine Morgenroutine entwickeln. Gerade bei subklinischen Anliegen finden diese Tipps häufig Anwendung. Jede Übung ist für sich, bei richtiger Anwendung, gewinnbringend. Vorausgesetzt sie ist im Vorfeld gut evaluiert.

Die Nachteile

Leider existieren auch Schattenseiten bei all der Aufklärung. Es wird Wissen angeboten, welches teilweise ohne Anleitung und weitergehende Erklärung zur Verfügung gestellt wird. Dies ist insofern problematisch, da Nutzer:innen diese Informationen eventuell fehlinterpretieren und/oder sich Nachteile daraus entwickeln können. Beispielsweise können starke Emotionen ausgelöst werden, ohne dass sie professionell aufgefangen werden und dadurch eine Negativerfahrung als Langzeitfolge entstehen kann. Andererseits können Übungen auch falsch verstanden (oder vermittelt) werden und die gewünschten Effekte bleiben komplett aus. Was nicht zuletzt daran liegt, dass versucht wird Themen  durch einen ambitionierten Reduktionismus „auf’s Wesentliche“ runterzubrechen. Die Idee ist gut gemeint und wohlwollend. Jedoch bildet sich hier unser derzeitiger Zeitgeist gut ab. Man möchte sich gut fühlen, jedoch möchte dabei keiner unbedingt 500 Seiten Buch dazu lesen. So werden beispielsweise Sätze in Posts immer kürzer und dazu werden zunehmend mehr Bilder eingesetzt. Kurz: Es findet – im Dienste der Schnelllebigkeit – eine starke Vereinfachung statt.

Dem sozialpsychologischen Blick auf unseren aktuellen Zeitgeist sollte vielmehr Beachtung entgegengebracht werden. Durch die Hülle und Fülle an Informationen kann man davon ausgehen, dass es eher zu einer Desinformation als zu einer Information kommt. Es entsteht Verwirrung und Vernebelung. Lose Zitate oder Kurzanleitungen werden in den sozialen Medien vorgestellt (kenne ich teilweise auch durch meine eigenen Posts). Was dann folgt, ist eher ein oberflächlicher Tipp, und weniger ein signifikant vertieftes Verständnis. Die Folgen sind dann nicht zu unterschätzen. Gerade wenn psychologische und therapeutische Konzepte die bestehende Symptomatik verstärken oder zur Selbstoptimierung (anstatt für das eigene Wohlbefinden) genutzt werden. Und das manchmal ohne dass Nutzer:innen es bewusst bemerken.

Man hat in seiner eigenen Wirklichkeit eher den Eindruck, dass man sich damit „etwas Gutes“ tut. Zudem wirkt es auf mich so, als dass die Medienlandschaft im Hintergrund  subtil die Haltung  „kümmere dich um dich – es ist doch ganz einfach“ im Algorithmus rauf und runter peitscht. Es wird suggeriert, dass das Leben gut zu einem ist, wenn man bestimmte Routinen entwickelt. Die logische Schlussfolgerung (die dann meistens nicht ausgesprochen wird) ist, dass das jetzige Leben wohl mangelhaft sei. Meines Erachtens nach entsteht gerade dadurch zusätzlich eine Art „Zugzwang“ für junge Nutzer:innen. Nach dem Motto: „Wer nicht teilnimmt, der/die vernachlässigt dann wohl ihre/seine Gesundheit“. Oder: „Wer hinterfragt ob Achtsamkeit oder Meditation wirklich nötig sind, der/die hat keine Ahnung und sollte kritisch beäugt werden“. Ist das denn so? Oder erleben wir derzeit eine systematische Verzerrung? In dem Sinne, dass die Selbsterhaltung sich langsam in eine „Selbstoptimierung mit Geschäftsidee“ verschiebt?

Zwischenfazit:

Im heutigen Zeitalter kann es zu Desinformation kommen. Durch den sozialen Wandel werden therapeutische Konzepte genutzt, um sich selbst zu optimieren, anstatt sich um sein eigenes Wohlergehen authentisch zu kümmern. Manchmal ohne dass Nutzer:innen es selbst merken.

Die Achtsamkeitsfalle – Selbstoptimierung getarnt als trojanisches Pferd

Als Beispiel werde ich – den derzeit wohl populärsten Begriff – nutzen. Nämlich „Achtsamkeit“. Er meint in erster Linie ein wertfreies Gewahrsein im Hier und Jetzt.

In erster Instanz kann man guten Gewissens fragen: „Was soll denn bitte so schlimm daran sein, sich auf eine achtsame Weise um sich selbst zu kümmern? Alle machen das.“. Eigentlich ist daran nichts schlimm. Weil, wie gesagt, jede gut wissenschaftlich evaluierte therapeutische Technik gewinnbringend sein kann. Dazu zähle ich die verschiedenen Formen der Achtsamkeitspraxis dazu. Entscheidend sind aber der Kontext und die Motivation, mit denen die Techniken im Zusammenhang stehen.

Menschen sehnen sich heute stärker denn je nach Individuation und (Selbst-) Verwirklichung. Der heutige gesellschaftliche Kodex begrüßt diese Pläne und belohnt solche Bestrebungen. Mal mit Anerkennung, mal mit Geld, mal mit Abonnenten. Selbstverwirklichung war noch nie so wichtig und realisierbar wie heute. Noch vor einigen Jahrzehnten haben unsere Vorfahren ganz andere Kämpfe mit sich austragen müssen. Nahrungsmittelknappheit, Krankheit und Kriege waren Probleme, und das ist noch nicht so lange her. Doch der moderne Mensch ist getrieben. Es geht inzwischen darum sich und anderen später zu erzählen was man „geschafft“ hat und was man hinterlässt.

Oder in Klartext: Willkommen in der Leistungsgesellschaft. Doch alle Arbeit macht auch müde. Anstatt authentisch Pausen zu erleben, machen wir selbst aus unseren Ruhephasen eine Leistung. Wir scrollen am Handy, wir meditieren „kurz noch“, gehen „Waldbaden“ und erzählen anderen wie wichtig Selbstfürsorge ist, während wir dies für unsere Story  mit unserem Handy filmen. Die meisten der aufgezählten Punkte klingen auch vernünftig und sinnvoll (außer vielleicht die Sachen mit dem Handy). Sie wären auch vernünftig, wenn wir sie so nutzen würden, wofür sich im Ursprung konzipiert sind. Das Motiv dahinter ist eben entscheidend. Ob das was ich mir und anderen erzähle auch wirklich zu meinen Werten im Leben passt. Das ist entscheidend!

Ein kleines Gedankenspiel: 1) Wir können meditieren, um zu meditieren. 2) Oder wir können Meditieren, um danach leistungsfähiger zu sein und um zu erzählen dass Meditation etwas Gutes ist. Das Fatale: Man ist selber in der Leistungsspirale, und leistet weiter mit Mental-Health-Ambitionen. Ein Hamsterrad, und vielleicht der größte und fieseste Trick unserer Zeit und unseres Verstandes. Anders ausgedrückt: Man denkt man lebt in 1), aber tatsächlich lebt man in 2). Und dass solch ein Zustand stresst, kann man sich wahrscheinlich gut vorstellen, weil es eine „never ending story“ ist.

In der psychotherapeutischen Arbeit wäre das Letzte was ich Patientin:innen empfehlen würde, etwas zu tun, um anschließend etwas Höheres/Besseres/für andere zu erreichen. Das ist auf einer abstrakten Ebene eine massive Selbsttäuschung, vor allem wenn es nicht mit den eigenen Wertvorstellungen einer Person übereinstimmt. Denn: Es geht doch eigentlich im Leben eher darum seine eigene Existenz mit den oben genannten Möglichkeiten anzuerkennen und eine würdige Form zu finden, damit zu Leben. Mit dem Befinden sich und anderen genug zu sein. Und nicht aus einem Mangel an kollektiven Selbstwertgefühl oder anderen seelischen Verletzungen „noch besser“ und optimaler zu werden. Wir haben verlernt uns selbst zu genügen. Die Folge, die ich beobachte: Heute werden für diese Zwecke therapeutische Überlegungen in den öffentlichen Raum gebracht und dadurch teils zweckentfremdet. Sie werden eher genutzt, um mit den gesellschaftlichen Forderungen und den internen eigenen Standards mitzuhalten. Im Ursprung waren diese Techniken eher dazu gedacht, um genau von dem leistungsorientierten Zeitgeist Abstand zu gewinnen, bzw. um die eigene Lebensführung zu untersuchen, und nicht um das eigene Image im System zu stärken.

In der Akzeptanz- und Commitment Therapie sprechen wir in diesem Zusammenhang vom „reactive mind“ und dem „wise mind“. Der „reactive mind“ ist unsere innere Stimme. Unsere Wortmaschine, die den ganzen Tag unser Leben kommentiert: „Heute noch Workout, sonst verlierst du deine Gewohnheiten“, „kurz noch meditieren, einen Kaffee trinken und dann kannst du den Tag durchhalten um noch paar Projekte zu pitchen“. Solche Sprüche kennen wir alle. Unsere Gesellschaft ist auf solche Sätze des „inneren Diktators“ getrimmt. Im „wise mind“ finden wir unsere Erfahrung wieder. Hier geht es um ein „Leben mit Kompass“. Manchmal wollen wir meditieren, manchmal aber einen langen Netflixabend haben und viel zu lange schlafen. Wir begreifen hier, dass das Leben nicht nach einem Algorithmus funktioniert. Das Leben ist schmerzhaft und freudig, manchmal im Wechsel, manchmal zugleich. Alles davon ist in Ordnung, solange es mit meinen Vorstellung über ein würdiges Leben übereinstimmt. Und nicht ein Leben was mir andere, mein „reactive mind“ oder eine Excel-Tabelle vorgeben. (Es sei aber gesagt, dass der „reactive mind“ natürlich auch seine Vorzüge hat. Er hilft uns unseren Tag zu ordnen, schwierige Aufgaben auf der Arbeit zu lösen und uns sicher durch den Verkehr zu bringen). Den Unterschied zu kennen, in welcher Situation welcher „mind“ hilfreich ist, ist ein vertretbares Ziel.

Dazu die Geschichte vom Fischer:

Ein Geschäftsmann geht im Anzug barfuß an einem Strand entlang. Er sieht wie ein Fischer mit seinem Sohn ein Holzboot ins Wasser schiebt. Er spricht den Fischer an und macht folgende Bemerkung: „Du könntest doch ein Netz, anstatt einer Angel nutzen. Mit den gefangenen Fischen könntest du dir ein zweites Boot und einen Angestellten leisten. Irgendwann könntest du auch ein Büro mieten und eine Firma gründen. Anschließend mehr Personal für dich arbeiten lassen. Dann hättest du mehr Zeit, um sie mit deiner Familie zu verbringen.“. Der Fischer antwortete: „Ich habe heute Morgen mit meiner Frau und meinen Kindern gefrühstückt und gehe jetzt mit meinem Sohn aufs Wasser. Was unterscheidet deine Vorstellung von meinem jetzigen Leben?“.

Der Geschäftsmann verkörpert die Selbstoptimierung oder den „reactive mind“. Er möchte höher und weiter kommen und vergisst manchmal worauf es wirklich im Leben ankommt. Das was man ist und macht, reicht nicht mehr. Er möchte das Leben des Fischers zweckentfremden, um dann doch wieder zum Anfang zu kommen. So sind wir Menschen. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die Motive nach Selbsterhalt und Überleben beim Westeuropäer nicht ganz oben in der Bedürfnishierachie stehen. Ich unterstelle jetzt, dass die meisten Personen, die diesen Beitrag lesen, eine Wohnung, einen (halb-) vollen Kühlschrank und einen Job (oder zumindest eine Einnahmequelle) haben. Um ein Überleben – im Sinne der Selbsterhaltung – geht es also nicht mehr im 21. Jahrhundert. Zumindest im Westen. Die Basics sind befriedigt. Unsere Vorfahren haben einen soliden Job geleistet. Es geht – wie gesagt – dann eher um Selbstverwirklichung. Interessierte Leser:innen können sich in diesem Zusammenhang gerne die Bedürfnispyramide nach Maslow anschauen. Dort beschreibt der Autor, dass der Mensch – sobald eine Stufe befriedigt ist – die nächsthöhere anstrebt. Sind also die basalen Grundbedürfnisse gesichert, geht es zum „Nächsthöheren“. Das bedeutet, wir sind als Gesellschaft vor einer neuen Herausforderung angekommen. Der Umgang mit Wohlstand, die vielen Wahlmöglichkeiten und das (fast) grenzenlose Leben stressen uns ungemein und wir kommen aus lauter Verunsicherung in eine Leistungsspirale.

Einige Beispiele aus den sozialen Medien

Ich habe dir nun erzählt, dass der moderne Mensch zur Selbstoptimierung neigt und der „reactive mind“ uns immer wieder dazu antreibt. Dabei fällt es schwer zu bemerken, dass man sich in dieser Spirale befindet. 

Für eine plastischere Vorstellung, folgen einige Beispiele, die du so oder so ähnlich in den sozialen Medien finden könntest:

„Wie du es schaffst in zwei simplen Schritten deine negativen Emotionen loszuwerden!“

„Lerne wie Bill Gates ein Buch pro Woche zu lesen, um noch mehr Wissen in kurzer Zeit aufzunehmen.“

„Drei Tipps für deine Morgenroutine – Schreibe Tagebuch, trinke zwei Glas Wasser und mache zehn Minuten ein Workout deiner Wahl“

„Lerne wie du durch Meditation deine Gedanken kontrollieren kannst“

Im ersten Augenblick lesen und hören sich die Sätze sehr ansprechend an. Vielleicht verspürt man auch den Impuls gleich loszulegen und etwas für sich zu tun, im Sinne von „ja genau – nur noch mal kurz meditieren, das macht mein Arbeitskollege auch“. Doch Stop, genau hier beginnt meine persönliche Kritik am Selbstfürsorgesystem (oder auch dem getarnten Selbstoptimierungssystem). An dieser Stelle könnte man hier von einem trojanischen Pferd sprechen. Der Inhalt passt nicht unbedingt zum dahinterliegenden Motiv. Der Clou liegt also nicht in der Anwendung der therapeutischen Interventionen, sondern in der Passung zu den verfolgten Werten. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ich Achtsamkeit praktiziere um ein friedlicheres Leben zu führen. Oder ob ich Achtsamkeit praktiziere, um „durchzuhalten“. Im ersten Fall ist Achtsamkeit eine Haltung, im zweiten ein „Mittel zum Zweck“.

Nehmen wir weiter als Beispiel das populär gewordene Konzept der Achtsamkeit. Eine alte Tradition aus dem fernen Osten. Durch den Mikrobiologen Jon Kabat-Zinn wurde die Achtsamkeit salonfähig für die Psychotherapie. Inzwischen ist sie durch viele Wirksamkeitsstudien gut belegt und z.B. fester Bestandteil der dritten Welle der Verhaltenstherapie. Ich selber nutze sie in meiner Arbeit auch. Aber auch außerhalb der Therapieräume erweist sich die Achtsamkeit wachsender Beliebtheit. Es werden Kurse angeboten oder Praktiker:innen teilen als Influencer ihre Expertise und bekommen eine Menge Zuspruch (und eben Anerkennung!).

Man beginnt sich um sich zu kümmern, um sich besser zu fühlen oder leistungsfähiger, gesünder, attraktiver zu sein. Viele der Konzepte werden – wie schon beschrieben – dadurch in ihrem Kern zweckentfremdet. Ich merke dies vor allem stark bei einigen Patient:innen oder auch eben auf sozialen Plattformen. Teilweise werden einzelne Techniken eines Konzepts isoliert verwendet und ins Absurde getrieben, während der Rest des Konzepts ausgeblendet wird. Dadurch kann es zu den oben genannten Nachteilen kommen. Im Folgenden möchte ich dir mal alternative Betrachtungsweisen anbieten, wie du mit dem derzeitigen Trend umgehen könntest. Als Beispiele nehme ich die Zitate von weiter oben und kommentiere diese. So oder so ähnlich würde ich auch mit Patient:innen darüber sprechen.

Wie du die Dinge alternativ sehen könntest – Tipps für die Tipps

„Wie du es schaffst in zwei simplen Schritten deine negativen Emotionen loszuwerden!“

Dieser Satz ist insofern problematisch, als dass er suggeriert, dass es „negative“ und „positive“ Emotionen gäbe. Dies wiederum wurzelt in der Erziehung und der kulturellen Übertragung was wir über Emotionen gelernt haben. Stephen Hayes sagte mal ganz treffend: „Besser fühlen, anstatt sich besser fühlen“. Damit ist gemeint, dass jede Emotionen eine Berechtigung hat und weder negativ noch positiv ist. Dies ist eine künstliche Einteilung. Emotionen sind Emotionen. Punkt. Es entsteht in letzter Zeit eine Gegenbewegung, die einige „toxische Positivität“ nennen. Damit ist gemeint, dass man krampfhaft versucht in allen Dingen das Gute zu sehen und das Negative zu vernachlässigen (und auf lange Sicht sich auf dieser Basis zu optimieren). Das Problem dabei ist, dass du deine Trauer und Scham wohl schlecht mit einem Küchenmesser rausschneiden kannst. Sie gehören zu dir so wie Freude und Stolz. Du möchtest dich freuen, wenn dir jemand eine Freude macht, aber nicht traurig sein, wenn du eine wichtige Person verlierst? Möchtest du stattdessen nichts fühlen und gleichgültig sein? Emotionen geben uns die Rückmeldung, dass uns Dinge wichtig sind. Somit hat jede Emotionen eine wichtige Aufgabe. Lehnst du diese Emotionen ab, lehnst du zugleich auch dich selber und Teile deines Lebens ab und nimmst dir die Chance wichtige Lebensthemen aktiv zu gestalten. Und das wäre sehr schade! Mein Tipp ist an dieser Stelle eine gewisse Akzeptanz gegenüber deinem menschlichen Dasein zu entwickeln und hinzunehmen dass jede Emotion zu dir gehört, genau wie dein Herzschlag und dein Atemzug. Weil du eben ein Mensch bist. Das bedeutet nicht, dass die Emotionen sich immer wohlig anfühlen. Doch nur weil sich etwas unangenehm anfühlt, heißt es nicht, dass es nicht da sein darf. Das heißt, es ist viel erstrebenswerter die Beziehung zu den eigenen Emotionen zu untersuchen, anstatt sie „loszuwerden“. Auf dieser Basis vermeidest du weder deine Emotionen noch deine wichtigen Lebensthemen. Emotionen und wichtige Lebensthemen sind zwei Seiten ein und derselben Medaille!

„Lerne wie Bill Gates ein Buch pro Woche zu lesen, um noch mehr Wissen in kurzer Zeit aufzunehmen.“

Bei diesem Satz muss ich immer an einen Esel denken, der vor sich eine Möhre gebunden hat und läuft und läuft und läuft…und nie wirklich ankommt, weil die Möhre ihm immer einen Schritt voraus ist. Natürlich kannst du dir viel anlesen. Und natürlich ist es nicht verkehrt wissend zu sein. Doch versperrt diese eingeengte Sicht die Möglichkeit Erfahrungen zu sammeln. Was bringt es dir, ein Buch in einer Woche zu lesen und dann das nächste Buch zu zücken? Genauso wichtig wie zu lesen, ist es, dies zu reflektieren, zu besprechen, auszuprobieren und wieder zu reflektieren. Denn viele wichtige Eindrücke stehen nirgendwo geschrieben. Man findet sie nur in der puren Erfahrung. Dieses obere Zitat macht dich mehr zu einem Konsumenten bzw. zu einer wissenden Person im Elfenbeinturm. Wenn du dich und andere verstehen willst, solltest du lieber eine Bestandsaufnahme von dem machen, was du schon in dir hast, anstatt immer wieder eine Schippe Wissen drauf zu schaufeln und dein Selbst damit zu überschütten. Das bedeutet jedoch, dass du alle Anteile von dir annehmen musst. Auch die im Schatten, auch die, die vielleicht schmerzen. Man kann auf Dauer emotionale Angelegenheiten eben nicht „weglesen“. Genauso wenig gibt es eine Happy Pille mit der man Beziehungsprobleme löst. Für einige Themen wirst du als Mensch benötigt und nicht nur dein Wissen. Also: Füttere nicht deinen „reactive mind“ der nach mehr verlangt, sondern fange an, dir zu genügen. Glaub mir, das nimmt dir den Druck aus vielen Situationen.

„Drei Tipps für deine Morgenroutine – Schreibe Tagebuch, trinke zwei Glas Wasser und mache zehn Minuten ein Workout deiner Wahl“

Dieses Zitat trifft wohl am besten die Selbstoptimierungsmaschinerie. Natürlich ist es schön, etwas für sich zu tun. In der Arbeit mit Patient:innen, die sich Ähnliches vorgenommen haben, habe ich Folgendes beobachtet: Irgendwann schwenken diese guten Vorsätze in eine Aufgabe um. Die schönen Seiten werden blasser und es wird eher zu einer zusätzlichen belastenden Verpflichtung. Die Motivation sinkt und man kehrt zur alten Routine zurück. Wieder bedient man den „reactive mind“. Es kehren die alten Selbstzweifel und die Sorgen, abgelehnt zu werden, zurück. Man hat keine Distanz zu diesen Worten und Gedanken. Wir fangen an wieder zu überkompensieren. Geben alles. Manchmal viel zu viel. Vielleicht hast du dir damit zu viel vorgenommen und es entspricht nicht dem Naturell des Menschen bzw. deinem Charakter? Was spricht denn dagegen morgens aufzustehen, einen Kaffee zu trinken und einfach zu sein, anstatt etwas zu schaffen und abzuhaken? Nicht mehr, nicht weniger. Also einfach nur sein zu dürfen, anstatt etwas zu leisten. Ich habe den Eindruck, dass wir uns selbst kaum noch aushalten. Man bombardiert schon von morgens an das eigene Bewusstsein. Man ist nie so wirklich bei sich, sondern immer beschäftigt. Viele Menschen denken, dass sie neben ihrer eigentlichen Tätigkeit noch mehr schaffen müssten. Dass sie nicht ausreichen. Erst dadurch sind Konzepte wie der „Miracle Morning“ entstanden. Wir arbeiten zu viel im Hauptberuf und haben den Eindruck nichts mehr zu schaffen. Deswegen wollen wir früher aufstehen, um uns um die anderen Dinge im Leben zu kümmern. Die Aufzählung würde sich irgendwann im Kreis drehen. Irgendwann ist man dann in einer modernen Sklaverei. Der Nachteil ist, dass man dadurch nie so wirklich mit sich in Kontakt ist und nicht so viel von sich mitbekommt (was man ja eigentlich durch die suggerierten Übungen erreichen möchte). Mein Tipp stammt aus meiner eigenen Kindheit und heutigen therapeutischen Praxis: Nimm dir mal lieber morgens etwas Zeit, langweile dich bewusst und schau dann was für Regungen in dir hoch kommen, ohne dagegen irgendwas zu unternehmen. Setz kurz mal diese Optimierung aus. In der Regel kriege ich bei dieser Übung die Rückmeldung, dass es ziemlich unerträglich ist für zehn Minuten einfach nur in seinem Zimmer zu sitzen. Es passiert unglaublich viel in dir, teilweise überwältigend viel. Was dann als nächstes passiert ist, dass Menschen häufig in „Mental Health Übungen“ fliehen, aber eigentlich fliehen sie vor ihren eigenen inneren Regungen. Zum Beispiel den eigenen Selbstzweifeln und Sorgen. Sie schwimmen von der Tiefe an die Oberfläche. In beiden Fällen ist man ja „im Wasser gewesen“ und am Ende kann man sagen man war eine Runde schwimmen. Gerade auch wenn man das Thema soziale Medien aus der neurowissenschaftlichen Sicht anschaut, ist es problematisch. Wir scrollen uns an hunderten von Posts täglich vorbei. Ein Kontext nach dem anderen. Das ist für das Gehirn in etwas so, als würde es binnen kurzer Zeit jede paar Sekunden die Location wechseln. Wie soll es da hinterher kommen? Anstatt mentaler Gesundheit, kriegen wir einen kognitiven „Overload“ und werden innerlich zunehmend unruhiger. Doch wen wundert’s? Deshalb: Leg lieber die Dinge Weg, die dein Gehirn kurzfristig stark stimulieren und nehme dir Zeit für die Dinge die Wichtig sind im Leben. Nimm z.B. deine Selbstzweifel ernst und kümmere dich um dich. Auch wenn du in den ersten Stunden und Tagen dabei keinen „Kick“ verspürst oder es sich unangnehem anfühlt. Es lohnt sich!

„Lerne wie du durch Meditation deine Gedanken kontrollieren kannst“

In der Akzeptanz- und Commitment Therapie bringe ich meinen Patient:innen bei, dass Kontrolle und Vermeidung eher ihre Störungen aufrechterhalten. Stell dir mal vor, wie du einen Gummiball unter Wasser drücken möchtest. Was passiert, egal wie lange du es schaffst zu drücken, wenn du mal kurz entspannst? Richtig, der Ball fliegt dir um die Ohren. Durch Druck und Kontrolle kannst du deine Symptome kurzfristig „unter Wasser drücken“. Das nennt man in der Wissenschaft Rebound-Effekt. Genauso verhält es sich mit deinen Gedanken. Dein Kopf macht nur seinen Job. Denken, assoziieren und verknüpfen. Gegen deinen Kopf vorzugehen ist in etwa so, als würde ich dir sagen, dass wir deine Niere in eine Überfunktion bringen sollten oder wir es gemeinsam schaffen deinen Herzschlag um 10 Schläge in der Minute zu senken. Deine Organe machen nur ihren Job und brauchen erstmal keine Veränderung! Dein Gehirn ist auch ein solches Organ. Also, anstatt gegen natürliche Regungen zu kämpfen, solltest du eine andere Beziehung zu ihnen etablieren. Ohne Kontrolle und Vermeidung. Es ist fast egal ob und was du denkst, sondern wie du darauf reagierst. Das ist entscheidend. Kurz und schmerzlos: Seine Gedanken zu kontrollieren ist wie gegen Windmühlen zu kämpfen. Es wäre hilfreicher deine Gedanken als Hinweise zu nehmen (falls du grübelst oder dich sorgst), und im realen Leben an den wichtigen Themen zu arbeiten. Kontrolle ist zwecklos! Oder sie bringt nur kurzfristig was und du machst es zu deiner Lebensaufgabe. Und auch das wäre schade.

Fazit und Denkanstöße

Als Menschen haben wir den natürlichen Drang uns selbst zu erhalten. Die Säbelzahntiger sind ausgestorben und der Wohlstand ist gewachsen. Jetzt geht es um Selbstverwirklichung, die schon an der Grenze zur Selbstoptimierung kratzt. Therapeutische Konzepte werden als probates Mittel genutzt, um in unserer Schnelllebigkeit gut klar zu kommen. Therapeutische Mittel sind – im Rahmen einer Therapie – ein sinnvolles Mittel um sich mit sich selbst zu beschäftigen. Einige Menschen nutzen – außerhalb der Therapie – den zur Verfügung stehenden therapeutischen Content, um sich selber auf einen hohen Level funktional zu halten. Dadurch kann es aber dazu kommen, dass man durch die therapeutischen Konzepte eher seine eigene Abwärtsspirale mehr ankurbelt. Und ab diesem Punkt beginnt Achtsamkeit und Co. zu stressen, anstatt zu entschleunigen und zu heilen. Das liegt nicht unbedingt am einzelnen Menschen oder dem therapeutischen Konzept, sondern eher dem Trend in dem sich unsere Gesellschaft gerade hineinmanövriert. Und häufig ist es wie ein unterschwelliger Sog, wir merken gar nicht, dass wir diese Ansichten internalisiert haben. Man könnte den Kreis hier schließen und sagen, dass der Säbelzahntiger nicht ganz ausgestorben ist, sondern in unser aller Köpfen in Form von Erwartungsangst, drohenden Einsamkeitsgefühlen, überhöhte Standards an sich und andere in uns weiter lebt.

Es lohnt sich allemal etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Keine Frage. Jeder Beitrag, der uns zeigt wie wir mit unsere Gesundheit verantwortungsbewusst umgehen können, ist gewinnbringend. Wir haben jedoch den Bezug dazu verloren wann „auch mal gut“ ist. Wir haben auch den Kontakt zu uns etwas verloren, um zu schauen, ob wir wirklich das machen, was wir machen wollen, oder ob wir Techniken ausführen, die uns „besser“ machen aber uns von uns wegführen. Ich habe schon so einige Influencer:innen-Posts gelesen, in denen sie sich bei ihrer Community entschuldigen, dass sie derzeit nicht so regelmäßig posten. Irgendwo wird es unterschwellig verlangt „abzuliefern“. Sicherlich ist da auch mal die eine oder andere Seele an ihrer persönlichen Grenze. Und solange wir über unsere Grenzen leben und uns dann sagen „wir müssen nur noch mal kurz meditieren“, ist es eigentlich witzlos. Denn hier kommen auch therapeutische Konzepte an ihre Grenzen. Hier ist es wichtig, seine persönlichen Grenzen anzuerkennen, dies passt aber nicht so gut zusammen mit unserer derzeitigen „feel good agenda“. Es ist aber zwingend erforderlich, sich auch mit seinen eigenen Schmerzen auseinanderzusetzen, auch wenn unser Hirn darauf keine Lust hat (du erinnerst dich an die Schmerzaversion und den fordernden „reactive mind“). Mit meinen Patient:innen bespreche ich häufig an der Stelle, dass gar nicht so sehr das therapeutische Konzept entscheidend ist, sondern was die Patient:innen damit erreichen möchten. Also viel wichtiger ist in diesem Fall das definierte Ziel und das damit verbundene Motiv, die Werte und Prinzipien. Der Weg wird sekundär. Es ist ja auch sinnfrei mit einem Auto durch die Gegend zu fahren, ohne vorher das Ziel ins Navi einzugeben, oder? Aus meiner Sicht sollte eher der gröbere Oberplan kritisch in deinem Leben statt Morgenroutinen und Co. angeschaut werden.

Beispielfragen wie die Folgenden, können dir helfen deinen „Norden“ zu finden:

  • Kann ich damit Leben, wenn ich Fehler mache?
  • Ist mir Genuss und Entschleunigung wichtig?
  • Kann ich es akzeptieren, die Erwartung anderer Menschen nicht immer zu erfüllen? Und ich eventuell mal nicht gemocht werde deswegen?
  • Ist es okay, wenn ich mal gestresst bin und eine gewisse Zeit unachtsam mit mir umgehe?
  • Traue ich mich mir in den Spiegel zu sagen, dass es Dinge gibt die ich an mir mag und nicht mag?
  • Ist es in Ordnung meine Meinung auch mal anschließend zu ändern?
  • Kann ich es mir auch mal erlauben Dinge nicht zu Ende zu bringen oder nicht zu wissen?
  • Kann ich damit leben, dass ich nicht alles im Leben haben kann und mein Leben wie es derzeit ist dennoch auch schöne Facetten hat?
  • Brauchst du 10.000 Abonnenten und die damit verbundene Anerkennung und Aufmerksamkeit?

Eine Frage klar zu beantworten ist nicht leicht und kann manchmal auch Jahre dauern. Wichtig ist, dass du in dir eine kritische Haltung entwickelst und die Dinge nicht einfach nur überträgst, „weil man das eben so macht“. Erstens bist du nicht „man“, sondern du. Und zweitens passt nicht alles „was man so macht“ in deinen Baukasten. Du wirst sehen, dass wenn du beginnst deine eigenen authentischen Motive zu kennen und zu dir ehrlich bist, du nicht immer gleich eine ausgefeilte Morgenroutine brauchst, sondern einfach mal auch zehn Minuten länger schlafen, „ausstrecken und gut ist“, wenn es dir gut tut. Man könnte das auch alles runterbrechen und sich fragen: „Lebe ich eigentlich gerade das Leben, was ich Leben möchte?“. Wenn nein, hör auf nach Büchern und Techniken zu suchen, und kümmere dich um existenzielle Themen wie Familie, deinen Kopf und Körper, Job und Freizeit. Und leg dabei auch mal das Handy weg!

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